Mein erster Anlauf war ein Desaster. 2013, ich hatte gerade Black Flag durchgespielt und war völlig geflasht von der Karibik, habe ich mir prompt Assassin's Creed III gekauft. Große Erwartung. Nach zwei Stunden saß ich in einem verschneiten Wald, verstand nicht, wer dieser Connor war und warum mich das alles so kalt ließ. Erst Jahre später habe ich begriffen, warum: Ich hatte die Ezio-Trilogie übersprungen, und AC III baut in den ersten Minuten auf Figuren auf, die man kennen muss, um emotional mitzukommen.
Deshalb ist die Frage nach der Assassin's Creed Reihenfolge keine pedantische Sammler-Frage. Sie entscheidet, ob Sie die Serie lieben oder nach dem dritten Teil genervt aufgeben. Und die Antwort ist komplizierter, als die meisten Listen im Netz vermuten lassen, weil es nicht eine Reihenfolge gibt, sondern mindestens zwei.
Wichtige Erkenntnisse
- Es gibt zwei sinnvolle Ordnungen: die Erscheinungsreihenfolge (nach Release-Datum) und die Chronologie der historischen Epochen im Spiel.
- Für Neueinsteiger ist die Release-Reihenfolge meist der bessere Einstieg, weil die Spiellogik und das Interface sich mitentwickelt haben.
- Die Ezio-Trilogie (AC II, Brotherhood, Revelations) sollte man nicht auseinanderreißen.
- Ab Origins (2017) hat sich die Formel grundlegend gewandelt: mehr RPG, mehr Freiheit, weniger lineare Storyline.
- Die moderne Rahmenhandlung ist seit Black Flag so dünn, dass man sie ohne große Verluste ignorieren kann.
Assassin's Creed Reihenfolge: warum es zwei richtige Antworten gibt
Stellen Sie sich vor, jemand sagt Ihnen: „Schau Star Wars in der Reihenfolge 4, 5, 6, 1, 2, 3." Klingt logisch, oder? Und dann sagt der nächste: „Nein, fang mit 1 an, dann verstehst du die Spannung in 5 erst richtig." Beide haben Argumente. Bei Assassin's Creed ist es exakt dasselbe Problem, nur mit zehnmal mehr Teilen.
Die Release-Reihenfolge (nach Erscheinungsdatum)
Das ist die Ordnung, in der die Spiele tatsächlich erschienen sind. Sie beginnt 2007 mit dem ersten Assassin's Creed und führt über die Ezio-Spiele, die Kenway-Saga und die RPG-Ära bis zu den neuesten Titeln. Der Vorteil: Die Steuerung, die Grafik und die Erzählweise entwickeln sich genauso, wie es die Spieler damals erlebt haben. Wenn Sie mit einem 2020er-Teil anfangen und dann zu einem von 2009 zurückspringen, fühlt sich das an wie der Sprung von einem Smartphone auf ein Faxgerät.
Die chronologische Reihenfolge (nach historischer Epoche)
Hier wird sortiert, wann die Handlung spielt, nicht wann das Spiel rauskam. Diese Ordnung beginnt mit Odyssey (431 v. Chr., Griechenland) und endet mit Syndicate (1868, London). Klingt historisch sauber, hat aber einen Haken: Sie springen mitten in der Serie in Spiele hinein, die auf einem völlig anderen Gameplay-Stand basieren. Odyssey als Erstes zu spielen ist spielerisch großartig, aber es macht Ihnen die älteren Teile kaputt, weil Sie sich an die moderne Steuerung gewöhnt haben.
Meine Position: Die Release-Reihenfolge ist für Einsteiger die klar bessere Wahl. Ich würde darauf wetten, dass die meisten, die mit Odyssey beginnen und dann zu Assassin's Creed II wechseln, nach zwei Stunden aufhören. Die historische Neugier hält das nicht aus.
Alle Assassin's Creed Teile: die komplette Übersicht
Die folgende Tabelle zeigt die Hauptteile in Release-Reihenfolge, mit dem historischen Schauplatz und einer groben Einschätzung, ob der Teil für Einsteiger taugt. Ich habe bewusst auf Neben- und Handyspiele verzichtet, die für die Reihenfolge keine Rolle spielen.
| Teil | Release | Schauplatz | Einsteigerfreundlich? |
|---|---|---|---|
| Assassin's Creed | 2007 | Heiliges Land, 3. Kreuzzug | Nein, sehr repetitiv |
| Assassin's Creed II | 2009 | Italienische Renaissance | Ja, bester Einstieg |
| Assassin's Creed: Brotherhood | 2010 | Rom | Ja, baut auf II auf |
| Assassin's Creed: Revelations | 2011 | Konstantinopel | Nur nach Brotherhood |
| Assassin's Creed III | 2012 | Amerikanische Revolution | Eher nicht |
| Assassin's Creed IV: Black Flag | 2013 | Karibik, Piratenära | Ja, sehr eigenständig |
| Assassin's Creed Rogue | 2014 | Nordamerika, Siebenjähriger Krieg | Nur mit Vorwissen |
| Assassin's Creed Unity | 2014 | Paris, Französische Revolution | Solide |
| Assassin's Creed Syndicate | 2015 | London, Viktorianisches Zeitalter | Solide |
| Assassin's Creed Origins | 2017 | Ägypten, Ptolemäerzeit | Guter Neueinstieg |
| Assassin's Creed Odyssey | 2018 | Griechenland, Peloponnesischer Krieg | Ja, aber riesig |
| Assassin's Creed Valhalla | 2020 | England, Wikingerzeit | Sehr lang, eher für Erfahrene |
| Assassin's Creed Mirage | 2023 | Bagdad, 9. Jahrhundert | Kompakt, guter Wiedereinstieg |
| Assassin's Creed Shadows | 2025 | Japan, Sengoku-Zeit | Für Einsteiger ok, aber teuer im Zeitbudget |
Was in dieser Tabelle fehlt: die unzähligen Spin-offs wie Liberation (ursprünglich für die PS Vita), Freedom Cry oder die Chronicles-Reihe. Sie sind für die Reihenfolge nicht nötig. Wer sie trotzdem spielen will, sollte das nach dem jeweiligen Hauptteil tun, zu dem sie gehören.
Welches Assassin's Creed sollte man als erstes spielen?
Wenn Sie mich fragen: Assassin's Creed II. Immer noch. Nach all den Jahren und all den Nachfolgern. Es ist der Teil, der die Formel perfektioniert hat, es ist technisch heute noch spielbar (die Ezio Collection für PS4 ist solide), und es erzählt eine Geschichte, die ohne Vorkenntnisse funktioniert.
Klar, die Grafik ist von 2009. Die Steuerung fühlt sich manchmal an, als würde Ezio auf Rollschuhen über Kopfsteinpflaster laufen. Aber das Spiel hat etwas, was die späteren Teile verloren haben: eine straffe Erzählung mit einem klaren Ziel. In 25 Stunden sind Sie durch. Bei Valhalla reden wir von 80 bis 120 Stunden, und nach 60 davon habe ich persönlich das Interesse verloren, ich gebe es ehrlich zu.
Gibt es Alternativen zum Einstieg?
Ja, zwei sinnvolle:
- Origins ist der sauberste Neustart der Serie. Wenn Sie mit alter Steuerung nichts anfangen können, ist das Ihr Weg. Es erklärt den Ursprung der Bruderschaft und funktioniert als eigenständiges Spiel.
- Mirage ist für Wiedereinsteiger gedacht und entsprechend kompakt gehalten. Wer damals AC I mochte und die RPG-Teile nicht, wird hier glücklich.
Was ich nicht empfehlen würde: mit Valhalla oder Odyssey anzufangen. Beide sind fantastische Spiele, aber sie sind so gigantisch, dass sie ein Neueinsteiger-Budget an Zeit und Geduld sprengen. Ich kenne mindestens drei Leute, die nach 30 Stunden aufgehört haben und seitdem glauben, Assassin's Creed sei „nichts für sie". Schade drum.
Wie viele Assassin's Creed Teile gibt es?
Die genaue Zahl hängt davon ab, was Sie mitzählen. Die Hauptteile sind es aktuell 14, wenn man Shadows (2025) und Mirage (2023) mitzählt. Zählt man alle Spin-offs, Handy-Ableger und HD-Remaster dazu, kommt man auf über 20 eigenständige Veröffentlichungen. Die Serie ist damit eine der umfangreichsten im AAA-Bereich überhaupt.
Ich habe irgendwann aufgehört, jede Veröffentlichung mitzunehmen. Nach Syndicate war bei mir die Luft raus, erst Origins hat mich zurückgeholt. Das ist völlig in Ordnung so. Man muss nicht jeden Teil gespielt haben, um die Serie zu verstehen, und die meisten Fans, mit denen ich gesprochen habe, haben ähnliche Lücken.
Welches ist der beste Assassin's Creed Teil?
Diese Frage ist ein Minenfeld. Ich habe in Foren Diskussionen gesehen, die über hunderte Beiträge gingen. Meine Antwort: Es kommt darauf an, was Sie suchen.
- Beste Geschichte: Assassin's Creed II. Die Rachegeschichte um Ezio Auditore ist erzählerisch das Rundeste, was die Serie je hinbekommen hat.
- Beste Atmosphäre: Black Flag. Die Karibik, die Seeschlachten, die Shanties. Ich habe 2013 mehr Zeit damit verbracht, mit meinem Schiff sinnlos durch die Gegend zu segeln, als ich zugeben möchte.
- Bestes Gameplay: Odyssey. Die Kämpfe sind wuchtig, die Welt ist atemberaubend, und Kassandra ist die charismatischste Spielfigur der ganzen Serie.
- Bestes ambitioniertes Experiment: Origins. Der Ägypten-Teil hat die Serie neu erfunden, und das ohne die Identität zu verlieren.
Wenn Sie mich zwingen, mich festzulegen: AC II. Und ich sterbe auf diesem Hügel. Es ist der Teil mit dem besten Verhältnis von Erzählung, Spiellänge und Atmosphäre. Die Nachfolger sind in einzelnen Disziplinen besser, aber keiner ist als Gesamtpaket so stimmig.
Was ist das brutalste Assassin's Creed Spiel?
Hier muss ich ehrlich sein: Kein Assassin's Creed ist „brutal" im Sinne von expliziter Gewaltdarstellung. Die Serie bleibt beim Thema Blut meist stilisiert. Aber wenn man „brutal" im Sinne von düsterer Atmosphäre und schonungsloser Erzählung versteht, gibt es einen klaren Kandidaten: Assassin's Creed III.
Das Spiel beginnt mit einem Massaker an einem Dorf, zeigt die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen und hat eine der deprimierendsten Enden der Serie. Connor ist kein charismatischer Held wie Ezio, sondern eine gebrochene Figur. Das war 2012 für viele Spieler zu viel, und das Spiel wurde damals heftig kritisiert. Ich fand es beim zweiten Durchlauf deutlich besser als beim ersten.
Alternativ, wenn Sie auf visuelle Härte stehen: Valhalla hat die blutigsten Finisher-Animationen. Aber „brutal" wäre hier das falsche Wort. Es ist einfach nordisch-derb.
Ist die Assassin's Creed Reihenfolge wichtig?
Die ehrliche Antwort: teilweise. Die meisten Spiele funktionieren eigenständig. Man kann Black Flag spielen, ohne AC III zu kennen, und man versteht die Geschichte trotzdem. Die moderne Rahmenhandlung um Abstergo und die Assassinen-Bruderschaft ist seit Jahren so dünn, dass man sie getrost ignorieren kann, wenn man nur an der historischen Handlung interessiert ist.
Es gibt aber drei Ausnahmen, bei denen die Reihenfolge wirklich zählt:
- Die Ezio-Trilogie (II → Brotherhood → Revelations) erzählt eine durchgehende Lebensgeschichte. Quereinstieg möglich, aber schade.
- Die Kenway-Saga (AC III → Black Flag → Rogue) hängt thematisch zusammen, auch wenn die Verbindungen lockerer sind.
- Die Desmond-Handlung der ersten fünf Teile war tatsächlich zusammenhängend. Wer sie verstehen will, muss der Reihe nach spielen. Aber wie gesagt: Sie ist heute nicht mehr der Grund, die Spiele zu spielen.
Meine Faustregel: Wenn Sie ein Spiel spielen wollen, prüfen Sie kurz, ob es Teil einer Trilogie ist. Wenn ja, spielen Sie die Trilogie in der richtigen Reihenfolge. Wenn nein, springen Sie rein, wo Sie wollen.
Was ich Ihnen wirklich raten würde
Fangen Sie mit Assassin's Creed II an. Wenn es Ihnen gefällt, spielen Sie Brotherhood und Revelations direkt hinterher. Wenn nicht, machen Sie einen Sprung zu Origins und sehen, ob die neuere Formel besser zu Ihnen passt.
Und dann? Lassen Sie sich Zeit. Die Serie hat über 20 Jahre Geschichte, und niemand muss sie am Stück durchziehen. Ich kenne Leute, die jedes Jahr im Herbst einen AC-Teil spielen, so wie andere eine Fernsehserie schauen. Das ist vermutlich der beste Weg, die Freude daran zu behalten.
Eine letzte Beobachtung: Die Reihenfolge, die für Sie am besten funktioniert, ist die, bei der Sie nach dem Abspann das Gefühl haben, mehr verstanden zu haben als vorher. Ob das nun die historische oder die Release-Ordnung ist, entscheiden Sie. Und wenn Sie wie ich mit dem falschen Teil anfangen: Willkommen im Club. Die meisten von uns haben irgendwo einen Teil doppelt gespielt, bevor sie die Reihenfolge kapiert haben.